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Wandbild-Frauen

Wandbild zeigt bedeutende Oldenburger Frauen

Gemeinschaftsprojekt auf Anregung einer Bürgerin – Präventionsrat Oldenburg federführen

Nun ist es vollständig: Das 40 Meter breite Wandbild „Frauen in Oldenburg“ unter der Autobahnbrücke in Wechloy an der Ammerländer Heerstraße wurde fertig gestellt. Die einzelnen Buchstaben des Schriftzugs „Oldenburg“ haben ihre gelbe Farbe erhalten und die Namen der Frauen wurden noch ergänzt. Entstanden ist ein Gesamtkunstwerk, an dem mehrere Beteiligte mitgewirkt hatten: Drei Künstlerinnen gestalteten die Portraits, Mitglieder des Vereins „Institut für Verknüpfung“ waren für den Rahmen und die Benennung der Porträts verantwortlich und die VHS-Jugendwerkstatt hatte den Untergrund für das Wandbild vorbereitet.


Anregung einer Bürgerin

Mit dem Wandbild wurde nun auch der „anderen Hälfte der Menschheit“ Raum gegeben. Weil der Oldenburg-Schriftzug, der 2012 entstanden war, ausschließlich männliche Persönlichkeiten zeigt, die für Oldenburg von Bedeutung sind, hatte sich eine Bürgerin an den Präventionsrat Oldenburg (PRO) gewandt, um auf „diese Lücke“ hinzuweisen. Ihre Anfrage führte zu einem längeren Engagement mit Unterstützung der Geschäftsführerin des PRO und weiteren Mitstreiterinnen aus dem Zentrum für Frauengeschichte, dem Lions Club Willa Thorade und einer weiteren engagierten Bürgerin (Architektin).

Auswahl der bedeutenden Frauen

Die Projektgruppe hat eine Liste mit 17 Frauen aus den Bereichen Bildung, Erziehung, Kunst, Politik, Medizin, Religion, Sport, Wissenschaft und Wirtschaft erstellt, zu denen Kurzbiographien und Bildmaterial erarbeitet wurden. Bei allen Frauen handelt es sich um Persönlichkeiten Oldenburgs, denen über ihren Tod hinaus Bedeutung zukommt. Die Jury, in der auch Gesine Geppert vom Staatstheater und Annette Meyers, Amtsleiterin für Verkehr und Straßenbau der Stadt Oldenburg, mitgewirkt haben, hat aus den 17 Frauen zehn Frauen ausgewählt, die für das Wandbild aufgenommen wurden: Helene Lange, Heike Fleßner, Sara-Ruth Schumann, Emma Ritter, Edith Ruß, Helga Neuber, Anna Feilner, Willa Thorade, Elisabeth Frerichs und Erna Schlüter.

Erna Schlüter und Edith Ruß – aufgrund ihrer Berufstätigkeit während des Nationalsozialismus umstritten.

Unter den zehn im Wandbild gezeigten Oldenburger Frauen sind zwei inzwischen stark umstritten, was ihre Würdigung betrifft. Es handelt sich um Erna Schlüter und Edith Ruß. Beide waren während der Zeit des Nationalsozialismus berufstätig. Erna Schlüter als Opernsängerin und Edith Ruß als Schriftleiterin (der nationalsozialistische Begriff für Journalistin oder Redakteurin). Es ist – Stand heute – unklar, inwieweit sie in das damals herrschende System aktiv eingebunden waren. Dies soll geprüft werden. Für Edith Ruß hat die Stadt Oldenburg einen unabhängigen Forschungsauftrag erteilt, für Erna Schlüter hat dies der Förderverein des Präventionsrat Oldenburg übernommen.

Eine Historikerin der Carl von Ossietzky Universität und ein freiberuflicher Historiker werden bis Ende 2024 zu den Biografien beider Frauen forschen. Sobald die Ergebnisse vorliegen, wird es zu einer neuen Bewertung der NS-Vergangenheit beider Frauen kommen. Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung werden die Ergebnisse vorgestellt und die Bewertung diskutiert.


Dank des Engagements der Projektgruppe im Fundraising konnte nun das Wandbild von drei Künstlerinnen realisiert werden, die die Porträts in ihren unterschiedlichen Stilen zeigen. Die Kontakte hatte das „Institut für Verknüpfung e.V.“ hergestellt. Der Verein hat sich um vieles mehr gekümmert von den Baugerüsten über das notwendige Material bis hin zur Abstimmung zahlreicher Beteiligter.

Finanzielle Unterstützung für das Projekt

Finanziell wurde das neue Wandbild für Oldenburg möglich gemacht von der GSG, der Oldenburgischen Landschaft, dem Kulturbüro und dem Gleichstellungsbüro der Stadt Oldenburg, den Lions Clubs Willa Thorade und Oldenburg-Lappan, der Agentur Frese & Wolff, Anja Dernick, der AWO (deren Begründerin in der Weser-Ems-Region, Elisabeth Frerichs ebenfalls gezeigt wird), der Bertha Ramsauer-Stiftung, dem Büro Proecoplan, dem Rotary Club Oldenburg, dem Unternehmen Männermode Bruns und Hanna Naber, Präsidentin des Niedersächsischen Landtags.


Biografien

Helene Lange
geb. am 09.04.1848 in Oldenburg – gest. am 13.05.1930 in Berlin

Helene Lange wuchs mit zwei Brüdern auf. Der Vater führte einen Tuchwarenhandel, mütterlicherseits war ein Kolonialwarengeschäft vorhanden. Die Kindheit prägte der frühe Tod der Eltern, sie war 5 als die Mutter und 16 Jahre alt, als der Vater starb. Erst nach dem Tod des großväterlichen Vormunds konnte sie sich den Wunsch Lehrerin zu werden erfüllen. Mit Mut, Ehrgeiz und autodidaktisch erarbeitete sie sich das nötige Rüstzeug für das später geplante Examen.

Mit Anfang 20 zog sie nach Berlin, legte ihr Lehrerinnenexamen ab, nahm eine Anstellung als Lehrerin an einer privaten Mädchenschule an und wurde recht bald zur Leiterin des dort angeschlossenen Lehrerinnenseminars befördert. So waren Lebensunterhalt und Rente gesichert, eine Heirat war nicht geplant.

Im privaten Bereich entschied sich immer für weibliche Lebensgemeinschaften: zuerst mit einer befreundeten Kollegin/Lehrerin, dann bis zu ihrem Tod 25 Jahre lang mit der „Kampfgefährtin“ Gertrud Bäumer.

Helene Langes Engagement galt der Veränderung des Schul –und Ausbildungssystems von Mädchen und Frauen bis hin zum Universitätsstudium. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete sie zur besseren Durchsetzung der Ziele den Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein. Arbeitete als Vorstand u.a. im Allgemeinen Deutschen Frauenverein, trat als Mitorganisatorin von Internationalen Frauenkongressen auf und gab ab 1892 die politische Monatsschrift „Die Frau“ heraus. In den von ihr und initiierten privaten Gymnasialkursen legten 1896 in Berlin die ersten sechs jungen Frauen im
Deutschen Kaiserreich ihr Abitur ab. Zum Studium mussten sie jedoch noch in’s Ausland.

Ohne Ausnahme folgte Helene Lange der Annahme von der allen Frauen biologisch eigenen „Mütterlichkeit“. Stolz bezeichnete sie sich als Demokratin und Anhängerin des linken Flügels der DDP/Deutsche Demokratische Partei, für die sie nach dem I. Weltkrieg kurzzeitig auch als Vertreterin in der Hamburger Bürgerschaft saß.

So entwickelte sich Helene Lange zu einer der streitbaren und gutvernetzten Führungsfiguren des bürgerlichen Flügels der deutschen Frauenbewegung. Sie pflegte das heimatliche Plattdeutsch und blieb Oldenburg v.a. durch viele Vortragsreisen treu, trug sich in’s Goldene Buch der Stadt ein und wurde schließlich 1928 Ehrenbürgerin. In den 1930er Jahren erhielt das Oldenburger Heimatmuseum (heute Stadtmuseum) bis nach dem II. Weltkrieg unter der Leitung von Helene Knoche ein „Helene-Lange-Zimmer“.

Quellen:
Helene Lange, Lebenserinnerungen, Berlin 1925
Helene Lange, Kampfzeiten, Bd. I und II, Berlin 1928
Bildarchiv Stadtmuseum Oldenburg

Heike Fleßner
geboren 14.4.1944 in Esens, gestorben 2.2.2021 in Oldenburg,

Eltern: August Fleßner, Sparkassendirektor, Mutter Gerda Fleßner, geb. Hicken.
Heike wuchs mit zwei Schwestern auf (ein Buder verstarb mit nur einem Jahr).

Schule: Heike besuchte zunächst die Mittelschule in Esens und wechselte wegen ihrer sehr guten schulischen Leistungen auf das Gymnasium in Aurich. Nach dem Lehramtsstudium arbeitete sie zunächst als Hauptschullehrerin (1966 – 1971), anschließend als wiss. Assistentin und Studienleiterin an der Uni Oldenburg. 1980 schrieb sie ihre Dissertation und 1996 wurde sie zur außerplanmäßigen Professorin für Erziehungswissenschaften ernannt.

Heike gehörte dem Rat der Stadt Oldenburg von 1985 – 1991 für die DKP an, sie setzte sich u. a. für Verbesserungen in der Jugendhilfe, und für die Einrichtung einer Frauengleichstellungsstelle ein.

Engagiert setzte sie sich für öffentliche Kleinkinderziehung und für Frauenrechte ein. Innerhalb und außerhalb der Uni Oldenburg war sie Initiatorin und Mitbegründerin zahlreicher Organisationen.

Einige Beispiele: Mitbegründerin Verein für Kinder 1980, engagierte Unterstützerin des Vereins Wildwasser, Installation der Gender Studies an der Universität, Gründungsmitglied und Direktorin (2001 – 2009) des ZFG an der Uni Oldenburg, Mitglied im Zentrum für Frauen-Geschichte, Vorstand der Bertha-Ramsauer-Stiftung.

Seit 2009 war sie im Vorstand von Pro familia Niedersachsen. Heike Fleßner setzte sich ihr ganzes Leben für die Rechte von Frauen und Kindern und gegen soziale Ungerechtigkeit ein.

Quelle:
Erinnerungsschrift der Familie anläßlich des Todes von Heike Fleßner, 2021
https://uol.de/pressemitteilung/2021/014

Sara-Ruth Schumann, geb. Hedwig Abraham
1.März 1938 (Bremen) – 26. Oktober 2014 (Hamburg)

Hedwig Abraham lebte bis 1944 in Bremen. Ihr jüdischer Vater nahm eine andere Identität an und konnte dadurch mit der Familie als Familie Adams in Bockel, einem
kleinen Ort im Heidekreis, die Nazizeit überleben.

Zuerst machte Hedwig Abraham eine kaufmännische Ausbildung, wurde danach aber Krankenschwester in Bremen und heiratete den Oldenburger Arzt Schumann. In Oldenburg wirkte sie bis Ende 2012. Krankheitsbedingt zog sie dann nach Hamburg,
wo ihr Sohn lebt.

Ab 1979 war Sara-Ruth Schumann 13 Jahre lang Kulturamtsleiterin der Stadt Oldenburg. Anschließend führte sie eine Kunstgalerie in der Innenstadt.
1992 wurde die jüdische Gemeinde in Oldenburg wiedergegründet. 20 Jahre lang war Sara-Ruth Schumann deren erste Vorsitzende, hat viele Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion integriert, war maßgeblich daran beteiligt, dass 1995 die
Oldenburger Synagoge eingeweiht wurde und dass dort Bea Wyler als erste Rabbinerin in Deutschland eingestellt wurde.

Schumann war Trägerin des Verdienstordens der BRD.

Wichtig war ihr eine bundesweite Vernetzung, unter anderem als Vize-Vorsitzende des niedersächsischen Landesverbandes und auch als jüdische Präsidentin im Koordinierungsrat christlich-jüdischer Gesellschaften. Zudem saß sie als Vertreterin der niedersächsischen Gemeinden im Rundfunkrat des norddeutschen Rundfunks Hamburg.

Emma Caroline Georgine Ritter
geb. 18.12.1878 in Vechta, gest. 23.03.1972 in Oldenburg

Ein gutsituiertes Elternhaus (Vater war medizinischer Leiter des PFL-Krankenhauses in Oldenburg), bzw. eine spätere Erbschaft sicherte den Lebensunterhalt Erna Ritters. Da Frauen im Deutschen Kaiserreich erst ab 1919 an staatlichen
Kunstakademien die Zulassung erhielten, studierte sie an privaten Kunstschulen in Düsseldorf und München, danach in Berlin bei dem Maler Lovis Corinth. Lebensmittelpunkt wurde Berlin mit eigenem Atelier. Ab 1923 lebte sie in Oldenburg zur Unterstützung der kranken, 1939 verstorbenen Mutter. Sie behielt das Berliner Atelier, das 1943 bei einem Bombenangriff zerstört wurde und damit auch alle unverkauften Werke. Ihre letzten fünf Lebensjahre verbrachte sie in einem Oldenburger Altersheim.

Emma Ritters Entscheidung zum Beruf der Künstlerin wurde nicht nur in der Familie ungern gesehen, war auch vor 1900 noch ein unkonventioneller Schritt für eine junge Frau. Ihre künstlerische Entwicklung nahm durch die Bekanntschaft mit den „Brücke“- Malern Ernst Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Ludwig Kirchner eine progressivere Richtung. Die „Brücke“-Gründung erfolgte 1905.

Emma Ritter entdeckte den Expressionismus für sich als geeignetes Ausdrucksmittel und malte farbig mit großzügigen Kompositionen und gestaltete Holzschnitte in prägnanter Formensprache. Sie war Mitglied des Oldenburger Künstlerbundes und Mitbegründerin der „Vereinigung für junge Kunst“ als Gegenpol zum Oldenburger Kunstverein.
Enge Freundschaften verbanden sie mit den Malern Lyonel Feininger, Christian Rohlfs und v.a. Karl Schmidt-Rottluff.
Zu ihren Kontakten in Oldenburger gehörten u.a. der Kunstmäzen Theodor Francksen und die Künstlerin Marie Stein (nach Heirat Stein-Ranke).

Quellen:
Gerhard Wietek: Emma Ritter und ihr Verhältnis zur Malerei des deutschen Expressionismus. Oldenburger
Jahrbuch Band 58/1, Oldenburg 1959, S. 1-28
Jörg Michael Henneberg: Emma Ritter, in: Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg.
Oldenburg 1993, S. 598 f
Jörg Michael Henneberg (Hg.): Emma Ritter und Gerhard Wietek. Briefwechsel 1956-1972. Oldenburg 2003.

Helga Neuber, geb. Schmidt
geboren 19.2.1937, Ammendorf, Halle/Saale, gestorben 14.9.2018 Klattenhof, Gemeinde Dötlingen

Mitglied im BBK Oldenburg
Helga Neuber kam nach dem II. Weltkrieg 1947 nach Oldenburg und begann hier ihre Schwimmkarriere. Schon 1953 wurde sie deutsche Meisterin. Sie nahm dreimal an Olympischen Spielen teil (in Melbourne 1956 belegte sie den 4. Platz) und errang 27 deutsche Meistertitel. Sie gehörte damit zu Deutschlands erfolgreichsten Schwimmerinnen.

Vom Oldenburger Schwimmverein wechselte Helga 1961 zunächst zum TSV 1846 Mannheim, dann 1964 zum Karlsruher SV Neptun 1899. Nach der Geburt ihres Sohnes 1966 beendete Helga Neuber ihre Schwimmkarriere, blieb dem Sport aber weiterhin, bis 1988 als Übungsleiterin im Schwimmverein Ganderkesee, verbunden. Familie Neuber war 1972 nach Klattenhof gezogen.

Sie studierte von 1957 – 1961 in Bremen Kunst und arbeitete als Werbegrafikerin. Seit Mitte 1970er Jahre war sie als freie Künstlerin tätig, neben der Malerei arbeitete sie mit Ton und fertigte Objekte aus verschiedenen Materialien (Glas, Torf).
Anlässlich ihres 80. Geburtstags zeigte das Deutsche Sport & Olympia Museum 2017 in Köln eine Ausstellung von ihr, die das Stadtmuseum Oldenburg im gleichen Jahr übernahm.

Quelle:
Kulturland Oldenburg 4/18, Heft Nr. 178, S. 25, Oldenburg 2018

Anna Feilner
geb. 08.10.1863 in Elsfleth, gest. 17.04. 1929 in Oldenburg

Anna Feilner entstammt einer Fotografendynastie – der 1802 geb. Großonkel Johann Eberhard Feilner, gilt als einer ersten und berühmtesten Daguerreotypisten Deutschlands. Ein weiterer Onkel, ihr Vater und ein Bruder arbeiteten
als Fotografen. Ihre Mutter war die aus Loy stammende Helene Bunjes.

Über ihre Kindheit und Jugend in Elsfleth und später in Loy ist leider wenig Gesichertes bekannt. Vermuten werden kann, dass sie – wie für Loyer Kinder üblich – in Rastede und nach dem Umzug der Familie die städtische Cäcilienschule in Oldenburg besuchte.

Anna Feilners Vater starb, als sie 13 Jahre alt war, im Haushalt lebten noch vier jüngere Geschwister. Es scheint naheliegend, dass sie früh berufstätig wurde, um zum Familieneinkommen beizutragen und im ehem. „Photographischem Institut Feilner & Stahmer“ das Handwerk erlernte.

F. Stahmer führte das Geschäft am Inneren Damm (heute Schloßplatz 23) weiter. Ab 1887 finden wir Anna Feilner mit der Bezeichnung „Photographin“ in Oldenburgs Adressbüchern. Sie war die einzige selbständige Frau mit diesem Beruf. Seit 1886 lebte die Familie an der Nadorster Str. 6 (heute 14), dieses Haus kaufte Anna Feilner 1892. Zwanzig Jahre arbeitete sie dort in ihrem Atelier. Für ihre vorzüglichen Leistungen wurde sie 1903 und 1904 vom Deutschen Photographen-
verein mit Medaillen ausgezeichnet.

Anna Feilner arbeitete, für eine Fotografin damals ungewöhnlich, auch außerhalb ihres Ateliers und nahm Aufträge für Architektur – und Landschaftsfotografien an. Populär waren auch ihre Portraitaufnahmen, sie wurde „Hofphotographin“.

1905 erhielt sie als einzige ihres Berufsstandes die Erlaubnis zu einem eigenen Pavillon auf der großen Landesausstellung. Diese Sonderstellung nahmen ihr Kollegen übel, ihre Beliebtheit als ausgezeichnete Fotografin aber wuchs. Mit dem Ergebnis ihres geschäftlichen Erfolges schließlich konnte sie 1908 ein Haus am Schloßplatz
erwerben: es war das Gebäude; in dem schon ihr Vater sein Geschäft betrieb. Anna Feilner lebte dort zusammen mit ihrer ebenfalls unverheirateten Schwester Helene, die den Haushalt führte. Die Wohnräume schmückten Gemälde lokaler Künstler, teilw. mit persönlichen Widmungen.

Sie war wie Helene Lange, Willa Thorade und andere FörderInnen Mitglied im 1904 gegründeten
Oldenburger Künstlerbund.

1919 beendete sie ihre Berufstätigkeit und übergab das Geschäft dem Fotografen Hans Bourquin.

Anna Feilner starb am 17. April 1929 an perniziöser Anämie, eine Folge von Mangel an Vitamin B12, die damals noch nicht behandelt werden konnte. Ihr Grab ist auf dem Gertruden-Kirchhof zu besuchen. Aufgrund der erfolgreichen Initiative einiger Frauen (s.u.) und dem Verein ZFG e.V. wird das Grab wegen der kulturgeschichtlichen Bedeutung der Verstorbenen erhalten.

Quellen:
Heike Wiese, Elke Behrens u. Petra Mende, Die Dame unter dem schwarzen Tuch –Über die Fotografin Anna
Feilner, in: Der Aufbruch Oldenburgs in die Moderne – Die Landesausstellung von 1905, Hg.: Udo Elerd,
Oldenburg 2005, S. 109ff

Willa Thorade
geb. 12.11.1871 in Oldenburg, gest. 11.06.1962 in Oldenburg


Willa Thorade wuchs als eines von vier Kindern der Thorades am Theaterwall 10 auf. Ihr Vater, Bankdirektor, engagierte sich politisch u.a. als Befürworter der Volksbildungsbewegung, ihre Mutter, geb. Strackerjahn, leitete ehrenamtlich einen sozial tätigen Frauenverein.

Bis zum 16. Lebensjahr besuchte sie die Cäcilienschule, es folgten die für „höhere Töchter“ üblichen Pensionatsaufenthalte in Dresden und Genf. Das wohlhabende Elternhaus und die damit verbundene spätere Erbschaft
sicherten Willa Thorade ein zumindest finanziell sorgloses Leben. Das widmete sie ab Beginn des 19. Jh. mit großem Einsatz vielen politischen Aktivitäten zur Verbesserung und Veränderung der gesellschaftlichen Situation von Frauen. Auch mit ihrer journalistischen Arbeit verfolgte sie dieses Ziel, als sie nach dem I. Weltkrieg die Leitung der Frauen-Beilage der
Oldenburgischen Landeszeitung übernahm.

Ihr Engagement galt u.a. der Einführung des Frauenwahlrechts. Ab 1907 begann sie, die verschiedenen Frauenvereine in Oldenburg zu einer Interessengemeinschaft zusammenzuführen. Diese wurde schließlich ab 1918/19 bis 1933 als Dachorganisation zum einflussreichen „Frauenverband des Freistaates Oldenburg“. Sofort nach Kriegsende 1945 organisierte sie die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Oldenburgischer Frauenvereine und -verbände“, die bis 2010 bestand. Durch verantwortliche Vorstandstätigkeiten in einer Reihe von Frauenvereinen und einer damit verbundenen regen Reisetätigkeit betrieb sie ein intensives deutschlandweites Frauen-Netzwerk.

Ihrem Einsatz ist ab 1916 die erste öffentliche Krippeneinrichtung (anfänglich für die Kinder der in der Rüstungsindustrie erwerbstätigen Mütter) und die qualifizierte Ausbildung zur Säuglingsschwester in Oldenburg zu verdanken.

Ab 1919 wurde sie Ratsfrau für die DDP/Deutsche Demokratische Partei und machte auch an dieser Stelle Frauenpolitik bis sie aus Protest gegen die Nazis 1933 alle Ämter niederlegte. Einer gemäßigten, bürgerlichen Frauenbewegung zugehörig, verabschiedete sich damit eine entschiedene Demokratin aus der Politik, die auch Kontakte mit KPD-Frauen pflegte.

Willa Thorade organisierte nach 1933 jedoch privat einen Zusammenhalt unterschiedlicher Frauen in einem „Dienstagskreis“ in ihrem Haus an der Bismarckstr. 23 / Ecke Cäcilienplatz, das ihre Mutter als Neubau in den 1890er Jahren gekauft hatte. Zur Lebensgemeinschaft zählten die Mutter und zwei Hausmädchen. Gemeinsam entwickelten sie dieses große Haus zu einem kulturellen Mittelpunkt mit vielen Gästen aus Politik und Kultur.

Quellen:
Heike Fleßner in: Oldenburgerinnen. Texte und Bilder zur Geschichte, Hg:. Stadt Oldenburg/Frauenbeauftragte Annette
Fischer zus. mit dem Arbeitskreis Frauengeschichte u. Zentrum für Frauen-Geschichte, Oldenburg 1995
Peter Haupt in: Biografisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg, Oldenburg 1992, S.747f

Elisabeth Frerichs, geb. Seifert
geboren 13.10.1883 in Niedersachswerfen am Harz, gestorben 22.5.1967 in Oldenburg
Eltern, Postassistent Karl Seifert, Ehefrau Pauline, geb. Hotze, nach der Schule arbeitete Elisabeth bei der Reichspost

1903 Heirat, Aufgabe der Berufsarbeit,
1917 zog die Familie Oppel (Elisabeths erster Mann war der Marineangehörige Johann Oppel) mit dem 1904 geborenen Sohn Hans von Kiel nach Rüstringen/Wilhelmshaven. Im gleichen Jahr trat Elisabeth in die SPD ein. Sie setzte sich maßgeblich für den Aufbau der AWO in der Weser-Ems-Region ein. Bereits 1920 wurde der Ortsausschuss Rüstringen/Wilhelmshaven gegründet und E. Frerichs übernahm den Vorsitz für den Bezirk Oldenburg-Ostfriesland-Osnabrück. Sie war die erste Abgeordnete (SPD) 1932/33 im Oldenburgischen Landtag und war ebenfalls in verschiedenen Parteigremien der SPD aktiv. Zu ihren Aufgaben gehörte die Frauenarbeit in der SPD (Einberufung und Leitung von Frauenkonferenzen, Vorbereitung Internat. Frauentag, Planung und Leitung von Seminaren für weibl. SPD-Mitglieder).

Nach dem II. Weltkrieg zog E. Frerichs in den Oldenburger Landtag (1946) ein und gehörte bis 1951 dem Parlament in Hannover an, von 1952 – 1961 dem Oldenburger Stadtrat. Den Vorsitz des Bezirksverbandes AWO Weser-Ems hatte sie bis 1959 inne. Das Leben von E. Frerichs war geprägt vom Kampf für eine sozialere Gesellschaft, in der Frauen gleichberechtigt sind. Ihre Forderungen waren gleiche Entlohnung und Ausbildungsmöglichkeiten für beide Geschlechter.

1952 wurde ihr das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik verliehen, 1963 das Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens. In Oldenburg ist eine Straße nach ihr benannt.

Quelle:
Arbeitsgruppe Oldenburger Frauen-Geschichte, Stadtrundfahrt durch 1500 Jahre Geschichte von Frauen in Oldenburg, S. 40f, Oldenburg 1992

Erna Schlüter
geb. 05.02.1904 in Oldenburg, gest. 01.12.1964 in Hamburg

Sie wuchs zusammen mit einer Schwester und einem Bruder als Tochter von Emma und Heinrich Schlüter in Oldenburgs Gaststr. 10 auf. Dort betrieb der der Vater als Meister einen Friseursalon. Erna Schlüter besuchte die nahegelegene Cäcilienschule und erhielt außerdem privaten Gesangsunterricht bei Cilla Tolli, war Mitglied im Singverein und wurde schließlich Chorsängern am Oldenburgischen Landestheater, dem heutigen Staatstheater.

Erst 18jährig engagierte das Landestheater die Altistin als Solistin. Ihr künstlerisches Können führte sie bereits drei Jahre später an das Theater Darmstadt und zu einem Wechsel in das hochdramatische Sopranfach.

1930 – 1940 folgte ein Engagement an der Düsseldorfer Oper und die Ernennung zur Kammersängerin. Ab 1940 sang sie an der Hamburger Staatsoper. Viele Gastspiele führen sie u.a. an die Mailänder Scala und den Covent Garden in London oder auch an die Opernhäuser von Barcelona, Berlin, München und Bayreuth, sie war eine gefragte Wagner-Sängerin.

Auch Oldenburg sah sie als Gast immer wieder gern. Erna Schlüter war die erste deutsche Sängern, die nach dem II. Weltkrieg an der Metropolitan Opera in New York wieder auftreten konnte. Sie wurde als Isolde in Wagners „Tristan und Isolde“ engagiert. Erna Schlüter heirate nicht, war Mutter eines Sohnes, der bei Großeltern und Tante in Oldenburg
aufwuchs.

Nach einem Unfall beendete sie 1955 ihre Bühnenlaufbahn und arbeitete bis zu ihrem Tod 1969 als private Gesangslehrerin in Hamburg. Das Oldenburgische Staatstheater ehrt die Künstlerin durch die 2004 gegründete Erna-Schlüter-Operngesellschaft und mit einer ständigen Ausstellung in einem der Theaterfoyers. Sowohl am
Wohnhaus in Oldenburg als auch an der Familiengruft auf dem Gertruden-Kirchhof ließ sie eine Plakette bzw. eine Gedenktafel anbringen

Das 2014 entstandene Opernstudio stellt den Mittelpunkt der Gesellschaft dar, die u.a. durch ihr Sponsoring den Nachwuchs mit Meisterkursen fördert.

Quelle:
Marlene Warmer: „Die Heldin großer Opern“ Karrierewege der Oldenburger Sängerin Erna Schlüter (1904-
1969), Oldenburg 2012