November

Aus der Tabuzone
Da geht es wieder los. Diese Geräusche in der Nachbarwohnung. Schreien und Kreischen, polternde Schritte. Umfallende Möbel? Das ist doch kein normaler Streit? Und dann, deutlich erkennbar, Schläge und Weinen.
Paula und ihre Schwester Marion stehen im Treppenhaus vor der Wohnungstür ihrer Nachbarn. Paula hat schon einmal versucht, mit den beiden zu reden, nacheinander natürlich. Die Frau hatte ihr kaum ins Gesicht sehen können und sie angefleht, nichts zu unternehmen. Der Mann hatte sie barsch zurückgewiesen: „Das geht Sie nichts an!“

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Körperliche Gewalt ist nur eine von vielen Formen häuslicher Gewalt. Ebenso folgenschwer, aber weniger sichtbar, sind psychische und wirtschaftliche Gewalt.
Nach einer repräsentativen Pilotstudie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2004 erlebt jede fünfte bis siebte Frau körperliche oder sexuelle Gewalt in ihrer Paarbeziehung. Die in der Studie ermittelten Zahlen müssen als Mindest­werte angesehen werden. Tabuisierung von Häuslicher Gewalt, Abhängigkeiten in der Paarbeziehung und die familiäre Situation sowie die Verschiebung der Schuldfrage auf die von Gewalt Betroffenen erschweren den Schritt aus der toxischen Lebenssituation. Dabei hat die Gewalterfahrung nicht nur für die direkt Betroffenen Konsequenzen. Immer mit-betroffen von Häuslicher Gewalt sind die Kinder.

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