September

Kaffee mit Courage
„Die nehmen uns die Arbeit weg! Und bekommen auch noch alles vom Staat bezahlt!“, schallt es beim Familienfest über den gedeckten Kaffeetisch. Tante Paula fügt noch hinzu: „Mit dem neuesten iPhone laufen die über die Grenzen. Ich kann mir nicht jede Woche ein neues Handy kaufen.“
Finn kennt das schon. Wenn die Feier etwas länger dauert und die Kehlen nicht mehr trocken sind, werden die Meinungen über Geflüchtete, Migranten und auch über Frauen, Homosexuelle und Politiker laut und rau geäußert. Zwar teilt er diese Meinungen nicht, aber einmischen? Das geht nicht. Auch wenn er sich im Moment nicht wohl fühlt, dann nippt er lieber noch ein wenig länger an seinem Glas und schweigt.
„Kalila hat kein neues Handy. Sie hat überhaupt kein Handy. Und ich glaube, sie wäre auch lieber ohne Krieg und Bomben, aber dafür zusammen mit ihrer Schwester aufgewachsen“, wirft Madita ein und nimmt sich noch ein wenig vom Gebäck.

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Zivilcourage geht uns alle an. Meist wird darunter verstanden, dass jemand dazwischen geht, wenn sich zwei oder mehr Leute prügeln. Sicher, das kann es auch sein. Aber Zivilcourage, auch als sozialer Mut bezeichnet, ist komplexer.
Der Arbeitskreis Zivilcourage des Präventionsrates versteht unter Zivilcourage, dass sich jemand freiwillig für eine andere Person oder eine Gruppe einsetzt, die bedroht, beleidigt, verletzt oder belästigt wird. Die handelnde Person nimmt dabei bewusst mögliche Nachteile für sich selbst in Kauf. Als Maßstab für zivilcouragiertes Verhalten gelten humane und demokratische Grundsätze.

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