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Statement des Geschäftsführer des Deutschen Präventionstages Erich Marks

Der PRO ist mir seit seinen Anfängen gut bekannt und ich freue mich, nun auf 20 Jahre PRO und eine hervorragende Entwicklung schauen zu können.

In Oldenburg ist es durchgehend gelungen, Bürger und Bürgerinnen in die Aufgaben der Prävention einzubinden. Ein eigenes Bild konnte ich mir davon machen, als wir 2011 mit über 10.000 Teilnehmenden den weltgrößten Kongress zu Themen der Prävention in Oldenburg gemeinsam realisiert haben. Die Beteiligung aus der Bevölkerung war so groß wie in keiner anderen Stadt zuvor und seitdem. Das Leitbild „Eine ganze Stadt macht Prävention“ war offensichtlich in seiner Wirkmächtigkeit. Da Leitbilder dies nicht automatisch sind, gratuliere ich den Engagierten in Oldenburg zu ihrer konsequenten und nachhaltigen Arbeitsweise.

Des Weiteren ist es dem PRO gelungen, über diesen langen Zeitraum immer auch interdisziplinär zu denken. Damit setzt er ein weiteres wichtiges Kriterium von kommunaler Prävention in die Praxis um: der gesamtgesellschaftliche Ansatz bedarf der Zusammenarbeit der Disziplinen. Ohne diese Zusammenarbeit erhalten wir eindimensionale Lösungsansätze, die den komplexen Anforderungen der Prävention nicht gerecht werden können. Erst das Zusammentragen von Perspektiven ermöglicht uns den richtigen Blick auf die Lage vor dem Problem. Denn da wollen wir hin und da wollen wir eingreifen. 

Dass der PRO von Beginn an Qualitätskriterien für kommunale Prävention berücksichtigt hat, verrät auch die Preisverleihung in 2008, als der „Deutsche Förderpreis Kriminalprävention für vorbildliche gesamtgesellschaftliche kommunale Kriminalprävention“ nach Oldenburg ging.

Ich gratuliere zu der gelungenen Verbindung von bürgerschaftlichem Engagement und fachlicher Expertise. Dass diese Verbindung als Prinzip Eingang in die Arbeit des PRO gefunden hat, können wir auch aktuell an den Arbeitskreisen sehen.

Sehr gut kann ich mich an den Februar 2013 erinnern, als ich zur Eröffnung einer Internet-Kampagne nach Oldenburg eingeladen war. Sie war ein besonders schöner Ausdruck dafür, dass die Oldenburger Präventioner*innen nicht „im Kästchen“ denken. Man hatte für diese Kampagne mit zahlreichen anderen kommunalen Präventionsräten zusammen gearbeitet. Man sah, dass das Thema Internet keines ist, dass im Rahmen kommunaler Grenzen zu gestalten ist, auch nicht aus Sicht der Prävention. Um die Wirkmächtigkeit zu erhöhen und um zusätzlich dem Problem knapper Ressourcen in der kommunalen Prävention zu begegnen, hat man arbeitsteilig die Kampagne entwickelt und durchgeführt. Es war eine äußerst erfolgreiche Kampagne mit hunderten von Veranstaltungen im Nordwesten im Laufe eines Jahres. Dass die Initiative hierfür von Oldenburg ausging, wundert mich nicht.
 
Schließlich finde ich es bemerkenswert, mit welcher Konsequenz der PRO sowohl Kontinuität zeigt bei Themen wie Zivilcourage, häuslicher Gewalt und Gewaltprävention an Schulen als auch neue Themen im Blick hat wie Hass-Kriminalität, Cybercrime und Extremismus-Prävention.

Die Entscheidung, das Jubiläumsjahr mit dem Schwerpunkt „Demokratie und Prävention“ zu versehen, zeigt einmal mehr, dass die Engagierten des PRO auch aktuelle Herausforderungen annehmen. Genau dieses Präventionsverständnis brauchen wir in Niedersachsen und in Deutschland: Prävention ist eben kein Feuerlöscher, sondern Brandschutz.

Den komplexen Anforderungen eines Brandschutzes soll die kommunale Prävention dienen. Ein Auftreten als punktueller Feuerlöscher ist nicht nachhaltig. Der PRO ist hier auf dem richtigen Weg und ich wünsche allen darin Engagierten den langen Atem, die Kreativität und die bleibende Unterstützung aller Beteiligter.


Erich Marks
Geschäftsführer des Landespräventionsrat Niedersachsen von 2002-2019
Geschäftsführer des Deutschen Präventionstages seit 1995