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Newsletter 3/2021

„Fair Speech – gemeinsam gegen Hass“

Schirmherr der Kampagne ist Ministerpräsident Weil

Beschimpfungen, Bedrohungen, Hass, online und offline: Menschen, die sich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik engagieren oder Ämter inne haben, sehen sich immer wieder Angriffen ausgesetzt. Mit „Fair speech – gemeinsam gegen Hass“ startet jetzt eine vom Landespräventionsrat Niedersachsen geförderte Kampagne, die auf das Thema aufmerksam macht und zeigt, wie dem begegnet werden kann.

Entwickelt wurde die Kampagne von den Präventionsräten Oldenburg, Loxstedt und Verden. Durchgeführt wird sie von 13 kommunalen Präventionsräten im Nordwesten Niedersachsens. Die Schirmherrschaft hat Ministerpräsident Stephan Weil übernommen.
„Mit der Kampagne werden wir die Aufmerksamkeit auf das Thema „Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber Amts- und Mandatsträgerinnen und –trägern lenken“, sagt Eckhard Wache, Vorsitzender des Präventionsrats Oldenburg, und ergänzt: „Die Bewilligung der Landesmittel ist für uns ein klares Zeichen, dass wir ein sehr wichtiges Thema anfassen. Wenn wir dem Hass und den Bedrohungen nicht etwas entgegensetzen, kann das ernsthafte Folgen für unsere Demokratie haben. Wer möchte sich für ein kommunales Mandat engagieren, wenn er solchen Verhaltensweisen ausgesetzt ist?“
„Dass wir die Kampagne im Verbund durchführen, verleiht uns für das Thema eine größere Wirksamkeit und ist damit stark im Interesse der Betroffenen“, begründet Melanie Blinzler, Geschäftsführerin des Präventionsrates die Bedeutung des Netzwerks. „Es wird Podcasts, Vorträge und Trainings zum Umgang mit Hass im Netz geben. Wir bieten alles online an, damit niedersachsenweit Interessierte und Betroffene teilnehmen können.“

Ziel der Kampagne, die am 15. September startet, ist es, verbale, schriftliche oder auch tätliche Angriffe gegen Amts- und Mandatspersonen sichtbar zu machen und zu verringern. Bürgerinnen und Bürger sollen sensibilisiert und über Falschnachrichten und Hass-Rede informiert werden. Dabei werden Betroffene ebenso angesprochen wie Interessierte. Termine und Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen gibt es auf der Webseite des PRO.

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Fakten checken

Eigentlich hatte Herbert nur das Eis brechen wollen. Schließlich hatte der Freundeskreis sich lange nicht treffen können. „Und, wie ist euer Impfstatus?“ hatte er die Runde gefragt. 
„Ich bin endlich zweimal geimpft“, sagt Hella mit Erleichterung in der Stimme.
„Ich habe lange auf einen Termin gewartet, aber letzte Woche bin ich zu so einem Impfangebot ohne Termin gegangen“, kann Ernst gerade noch sagen, bevor Waltraud mit fester Stimme verkündet:
„Ich lasse mich nicht impfen!“
Für einen Moment herscht Grabesstille.
„Warum?“, fragt Paula schließlich. „Willst du denn nicht auch, dass wir diese Corona-Beschränkungen endlich hinter uns lassen können?“
„Klar wäre ich die blöde Maske auch gerne wieder los. Aber ich finde es schon seltsam, dass wir so unter Druck gesetzt werden. Das ist doch ein riesiges Pharma-Experiment mit ungewissem Ausgang“, entgegnet Waltraud.
„Also, ich bin auch noch unsicher, ob ich mich impfen lasse“, meldet sich Franz zu Wort. „Diese Nebenwirkungen machen mir wirklich Sorgen.“
„Aber das ist doch nichts im Vergleich zu einem heftigen Krankheitsverlauf“, schaltet sich Paula ein. „Habt ihr denn die Berichte von den Intensivstationen schon vergessen?“
„Ganz und gar nicht, aber ich verstehe trotzdem nicht, warum um Corona so ein Gewese gemacht wird. Jedes Jahr sterben zwanzigtausend oder mehr Menschen in Deutschland an Grippe, trotz Impfangebot“, schimpft Waltraud.
„Hmm, was die Nebenwirkungen angeht, meines Wissens sind schlimme Nebenwirkungen sehr selten“, sagt Herbert. „Und der Vergleich von Corona mit Grippe hinkt, weil die Todesfälle bei Grippe geschätzt werden. Bei Corona handelt es sich um laborbestätigte Infektionen.“
„Aha, und woher nimmst du deine Weisheit?, will Ernst wissen.
„Wie andere auch, aus dem Internet“, grinst Herbert. „Allerdings prüfe ich, von wem bzw. von welcher Einrichtung eine Aussage kommt. Es gibt da zum Beispiel die Seite 'correctiv.org', die Recherchen von Journalist*innen veröffentlicht und über Spenden finanziert wird.“
„Lass uns das doch gleich mal testen“, meint Paula und zückt ihr Smartphone. „correctiv.org. Suche: Corona-Impfung. Oh, hier ist ein Überblick zu geprüften Behauptungen.“
Paula liest verschiedene Einträge vor, bis Franz schließlich sagt: „Okay, ich werde das Thema Nebenwirkungen noch genauer recherchieren, das scheint ja wohl tatsächlich nicht so dramatisch zu sein.“
„Mich überzeugt das nicht“, sagt Waltraud. „Diese Impfpflicht durch die Hintertür … ich will mich in meiner Freiheit nicht einschränken lassen.“
„Dir ist schon klar, dass du damit die Verantwortung auf deine Mitmenschen abwälzt, oder?“, antwortet Hella.
„Wieso das denn?“, meint Waltraud. „Die können sich doch genau so frei entscheiden!“
„Je mehr Menschen geimpft sind, desto freier können wir uns wieder bewegen. Wenn du dich nicht impfen lässt, muss sich jemand Anderes für dich impfen lassen, damit die Zahl wieder stimmt. Logisch?“

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Kann das stimmen?

Beispiele für Faktencheck-Angebote im Internet

Die Non-Profit-Seite correctiv.org wird von unabhängig arbeitenden Journalist*innen betrieben und durch Spenden finanziert.

Hintergrundberichte, Faktenchecks und vieles mehr findet man auf mimikama.at. Hier kann   man die Redaktion auch auf Falschmeldungen aufmerksam machen.
Zu mimikama.at gehört hoaxsearch.com, eine Suchmaschine speziell für Fakes im Internet.


Auf dem Portal der Tagesschau findet sich eine Faktencheck-Seite, der ARD-Faktenfinder.
Auch auf dem ZDF-Portal werden Behauptungen überprüft. In der Mediathek kann man nach „Faktencheck“ suchen und findet Videos zu aktuellen Themen, darunter auch verschiedene Clips von MrWissen2go.

Die Deutsche Presseagentur (dpa) betreibt den dpa-Faktencheck, dessen Inhalte auf dem Presseportal zu finden sind. 

Einen Überblick zu verschiedenen Faktencheck-Seiten bietet utopia.de.


Auch zahlreiche Youtube-Kanäle können bei der Sortierung von Fakes und Fakten helfen.
 
Beispiele:

maiLab von der Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim.

Faktencheck der Firma objektiv media GmbH für den SWR.

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Termine

8. September, 17 bis 19 Uhr, Alte Fleiwa: 
Mitglieder-Versammlung PRO und Förderverein PRO

14. September, 14 bis 17 Uhr, Gemeinwesenarbeit Bloherfelde: 
Kostenloses Training für Pedelec-Nutzer*innen.
Anmeldung: 0441 235 3611, E-Mail: praeventionsrat@stadt-oldenburg.de


15. September, 17 bis 18.30 Uhr, online: 
Fair speech – gemeinsam gegen Hass
Vorstellung und Start der Kampagne mit einem Vortrag von Sebastian Bukow (Heinrich-Böll-Stiftung).

Ab 1. Oktober, VHS Oldenburg, Karlstraße 25: 
Ausstellung "Street Art"

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Buchtipp: Einspruch!

Hinweise zum Kontern von Verschwörungsmythen

Was können wir tun, wenn ein Familienmitglied, ein*e Freund*in oder Bekannte*r plötzlich Falschmeldungen, „Querdenker“-Meinungen oder extreme Standpunkte über soziale Medien verbreitet? In Corona-Zeiten ist dies Vielen so ergangen. Sollen wir vorsichtig nach den Gründen fragen oder besser gleich widersprechen?

Die Journalistin Ingrid Brodnig beschreibt in ihrem Buch „Einspruch!“ verschiedene Fälle: angefangen von Menschen, die Angehörige vor Gefahren warnen wollen und auf Falschmeldungen hereingefallen sind bis hin zu solchen, die von Verschwörungsmythen überzeugt sind (bzw. waren) und nicht mehr mit sachlichen Argumenten zu erreichen sind. 

Laut Ingrid Brodnig gibt es nicht "die eine" richtige Reaktion. In ihrem Buch gibt sie aber wertvolle Tipps und Hinweise, was wir tun können, um im Gespräch zu bleiben und ein Abdriften in Verschwörungsmythen zu verhindern.

Ingrid Brodnig
Einspruch!
Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online
Brandstätter Verlag 2021, ISBN-13 9783710605208
Auch als eBook, ISBN-13 9783710605284

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