März

Bären-Dienst
Mirko ist schon ganz aufgeregt. Es sind noch ein paar Minuten bis zum Unterrichtsschluss, aber er kann gar nicht mehr zuhören. Denn heute ist Dienstag, und dienstags holt Martin ihn immer von der Schule ab, und dann unternehmen sie zusammen etwas. Heute wollen sie zum Hafen, die Boote und Güterschiffe ansehen. Mirko darf dann wieder mit Martins Kamera fotografieren, und wenn sie Glück haben, geht sogar die Eisenbahnbrücke auf.
Es klingelt. Endlich. Mirko schnappt seine Tasche und rennt aus dem Klassenzimmer. Martin ist schon da und wartet auf ihn.
„Hallo Mirko, wie geht‘s? Was machen wir heute?“ fragt er.
Mirko stutzt. „Ich dachte, wir gehen zum Hafen“, sagt er beinahe enttäuscht.
„Klar!“, sagt Martin und lacht. „Ich wollte nur testen, ob du es noch weißt.“
Jetzt lacht auch Mirko. Er ist richtig stolz, so einen Freund zu haben. Wenn Martin nicht gerade mit Mirko unterwegs ist, studiert er nämlich. Er spezialisiert sich auf Mikrobiologie und forscht mit Bakterien. Einmal hat er Mirko mit in das Labor genommen, in dem er oft arbeitet. Das fand Mirko so spannend und interessant, dass er später auch mal so etwas machen möchte. Auch wenn er sich dafür in der Schule noch mächtig anstrengen muss. Aber jetzt gehen sie erstmal zum Hafen.
Auf dem Weg treffen sie Paul aus der 4b. „Hallo Mirko“, sagt Paul und mustert dabei Martin ganz genau. „Wer ist das denn?“
„Das ist mein Balu!“, sagt Mirko mit breitem Grinsen.



„Balu und Du“ ist ein bundesweites Mentoren-Projekt, bei dem Grundschüler*innen eine Studentin oder einen Studenten für gemeinsame Freizeitgestaltung vermittelt bekommen. So wie in der Disney-Version des „Dschungelbuches“ zeigen die Studierenden („Balus“) ihren „Moglis“, wie sie sich in ihrer Welt zurechtfinden können. Die Mentor*innen übernehmen für ein Jahr die Patenschaft für ein Kind und treffen sich einmal pro Woche mit ihrem „Mogli“.
Inzwischen konnte nachgewiesen werden, dass die durch „Balu und Du“ geförderten Kinder auf vielfältige Weise davon profitieren. Sie können sich besser selbst organisieren und realistischer einschätzen. Auch wenn Lernen und Hausaufgabenhilfe nicht Teil der gemeinsamen Unternehmungen sind, zeigen die Kinder bessere schulische Leistungen und höhere Motivation. Die Eltern beschreiben ihre Kinder als selbstständiger, entspannter und glücklicher.
Auch die „Balus“ profitieren. Sie lernen unter anderem viel über die Entwicklung und Bedürfnisse von Kindern, und sie lernen, in schwierigen Situationen besser zu kommunizieren.
In Oldenburg koordiniert das Kinderschutz-Zentrum seit 2008 das Projekt und bringt ehrenamtlich arbeitende Studierende der Carl von Ossietzky Universität mit Grundschüler*innen zusammen, die von ihren Lehrer*innen für das Projekt vorgeschlagen werden. Der Förderverein Präventionsrat Oldenburg unterstützt das Projekt von Beginn an finanziell.